Hofgeflüster Gülzer Geissen

Angefangen hat alles vor über 10 Jahren mit der Idee eigenen Käse für sich selbst herzustellen und vier eigenen Ziegen, die noch im Stall direkt am Wohnhaus lebten. Inzwischen sind aus den 4 Hobbyziegen 80 Milchziegen und viele viele Jungtiere geworden. Ziegen sind charakterlich so besonders, dass sich Rudi Tussing und Uli Korte für sie statt Schafen zur Milcherzeugung entschieden haben. Heute fragen sie sich manchmal, ob die Schafe nicht etwas einfacher gewesen wären. Aber man merkt sofort, sie lieben ihre Charakterköpfe. Uli kennt noch alle 80 Damen beim Namen und erkennt sie sogar am Euter.

Ein Ziegenbock, dessen Name ich schon wieder vergessen habe, hat schon auf dem Roten Sofa der Sendung DAS gesessen. Schwups saß er einfach mit drauf. 😀

Zwischen Mitte Januar und Ende Februar haben die beiden alle Hände voll zu tun, denn da ist Lammen angesagt. Teilweise kommen 30 Lämmer am Tag zur Welt. Gleich nach der Geburt werden Mutter und Kind getrennt. Früher haben sie das anders gemacht, da blieben beide länger zusammen. Aber dann ist der Trennungsschmerz so groß, dass es zu richtigen Dramen gekommen ist. Nun bekommen die kleinen Lämmer das Fläschchen, natürlich mit Muttermilch. So sind die Ziegen ganz auf ihre zwei Herrchen fixiert. Die Mütter freuen sich aufs Melken und die Kleinen auf Ihre Milch. Auch hilft es das Überleben der teilweise Vierlingen zu sichern. Beim Fläschchen füttern kann genau dokumentiert werden, wie viel welches Lamm getrunken hat und entsprechend helfen, dass alle genug Nahrung bekommen.

Die Ziegen geben zwischen 1 bis 5 Liter Milch am Tag. Die ganz Jungen weniger, die Älteren mehr. Es wird zweimal gemolken. Irgendwann versiegt der Milchfluss automatisch, das passiert kurz nachdem die Ziegen Ihre fruchtbare Zeit hatten.
In der Deckzeit laufen die Böcke mit den weiblichen Tieren mit, sogar auf den Melkstand. Dadurch gibt es kaum Eifersucht. Die Böcke müssen oder sagen wir dürfen bis zu 30 Ziegen am Tag befruchten. Puh. Ganz schön anstrengend der Job. Aber auch nur für ca. 3-4 Wochen im Jahr. Den Rest des Jahres leben die Böcke draußen im Offenstall.

Ab und zu dürfen die Ziegen zur Biospheren-Pflege ein paar Wiesen abknabbern. Leider vertragen sie das nicht ganz so gut. Meist werden einige von Ihnen daraufhin krank. Eine ganz schöne Gratwanderung.

Geboren werden im Schnitt ca. gleich viele Damen wie Herren. Die Natur sieht vor, dass nicht alle Böcke überleben, sondern nur die Stärksten von Ihnen. Und so kommt es, dass die Böcke einige schöne Monate dort leben und dann zum Schlachter kommen. Direkt auf dem alten LPG-Gelände auf dem der Stall steht, gibt es auch eine Schlachterei. So brauchen die Ziegenböcke zumindest keine weiten, stressigen Wege hinter sich zu bringen. Sie können zu Huf hinüber gehen.

Und ich gebe zu, ich bin Fleischesser. Das Fleisch ist sehr zart und angenehm im Geschmack, ohne Beigeschmack wie beim Schaf. Und bei diesen Tieren können wir sicher sein, dass sie ein schönes, liebevolles Leben hatten.
Uli hat mir auch verraten, dass es ihm am Anfang sehr schwer gefallen ist.

Die Milch, verarbeitet Rudi in der kleinen Käserei direkt am Wohnhaus der beiden. Dort stellt er verschiedenste Käse und Quark. Das was ich bisher probiert habe, sind sehr milde Ziegenkäse.
Leider wurde ich so durch meine zwei kleinen Begleiter abgelenkt, dass ich ganz vergessen habe, mich näher zum Käsemachen zu informieren. Das muss ich also beim nächsten Mal nachholen.

Achja, leben tun die Ziegen in einem wunderbar hellen und luftigen Stall. Sie haben viel Platz dort.
In Planung ist gerade auf dem Außengelände noch ein paar Kletterfelsen zu gestalten, so dass die Ziegen sich die Hufe abstoßen können und ihrem Kletterdrang nachgehen können. Die beiden Ziegenrassen (Thüringer Wald Ziegen und gehörnte Toggenburger Ziegen) fühlen sich aber hier im Norddeutschen Klima sehr wohl, da es Rassen sind, die auch sonst eher in flacherem Gelände zu Hause sind.

Eine Ziege hatte es tatsächlich auf meine Hose abgesehen. Zack, da wurde genüsslich drauf rum gekaut.

Zum Käserei-Gelände gehören noch ein paar Hühner und ein süßer kleiner Hund, der erst ein paar Tage dort ist. Außerdem konnte ich einen kleinen Gemüsegarten für den Eigenbedarf entdecken.

Zuerst haben es die beiden mit Nebenerwerb probiert, aber das hat nicht funktioniert. Es war zu viel Arbeit dafür, dass nebenbei noch ein Hauptjob erledigt werden musste. Daher mussten sie zwangsläufig auf eine bestimmte Betriebsgröße anwachsen.

2016 wurden sie offiziell als Arche-Betrieb der Archeregion Flusslandschaft Elbe anerkannt.
2017 haben sie den Norddeutschen Käsepreis erhalten.

Kaufen kann man den Käse natürlich auch direkt am Hof, wenn man schon da ist. Als „Hofladen“ dient inzwischen unser Verkaufswagen der an der Straße steht, wenn wir nicht gerade auf einem unserer Märkte sind.

Daher gibt es keine festen Öffnungszeiten. Am späteren Nachmittag sind Uli und Rudi aber meistens für Euch da.

Wenn Ihr noch mehr erfahren wollt: es gibt Workshops, Hofführungen oder auch eine Hofführung mit Käse-Verkostung.
Lust auf ein Praktikum? Kein Problem. Frag einfach nach oder schau mal unter www.guelzer-geissen.de

Eure Annika

18. Juli 2018